Was ist das Kern­pro­blem ver­trock­ne­ter Lie­bes­be­zie­hun­gen in unse­rer modern-post­mo­der­nen Zeit?

Die Gna­de und der Fluch unse­rer Zeit ist die all­ge­gen­wär­ti­ge Ana­ly­se. Ana­ly­se im Leben und Ana­ly­se in der Lie­be. Ana­ly­se im Mann, Ana­ly­se in der Frau. Und inner­halb einer Lie­bes­be­zie­hung zwi­schen zwei Men­schen ist nichts weni­ger lie­be­voll als genau das. Wir nen­nen es dann beschö­ni­gend ‘offe­ne Gesprä­che’ oder ‘Paar­the­ra­pie’.

Aber bei­des wird nichts an dem Grad der Ein­ge­schla­fen­heit unse­rer Bezie­hun­gen ver­än­dern. Denn bei­des berührt die Quel­le fri­scher Lie­be nicht.

Wenn wir dem Irr­tum erlie­gen durch Ana­ly­se oder das Ver­ste­hen unse­rer Bezie­hung wirk­lich etwas ändern zu kön­nen, leben wir unser gesam­tes Leben als ver­rück­ter Wis­sen­schaft­ler. Als welt­frem­der Wis­sen­schaft­ler, der Bezie­hungs­pro­ble­me seziert, der unse­re Lie­bes­be­zie­hung und das Inne­re unse­rer Lie­bes­part­ne­rin erforscht und alles auf Risi­ken und Neben­wir­kun­gen hin unter­sucht.

Bei im Rah­men der Ana­ly­se auf­tau­chen­den Ano­ma­li­en, die eine bestimm­te (in uns kon­di­tio­nier­te) Gren­ze über­schrei­ten, schal­tet der ver­rück­te Wis­sen­schaft­ler sofort ein Not­fall­sys­tem ein, damit die­se Ano­ma­li­en besei­tigt wer­den oder zumin­dest in Zukunft nicht mehr auf­tau­chen.

Dei­ne Frau kommt heu­te zu Dir und sagt, dass sie ein gan­zes Wochen­en­de mit Dir ver­brin­gen möch­te, obwohl Du schon letz­te Woche 2 Tage und erst ges­tern 3 Stun­den mit ihr ver­bracht hast?

Dei­ne Frau hat sich schon wie­der neue Klei­der für 300 € gekauft, obwohl sie erst vor 2 Wochen Klei­der für 500 € gekauft hat?

Die Din­ge sind, wie sie sind. Die Frau ist, was sie ist.

Aber wer in Dir denkt, dass Dei­ne Frau zu viel Zeit mit Dir ver­brin­gen möch­te oder sie zu viel Geld für Klei­dung aus­gibt? Und wer meint, dass es jetzt aber mal Zeit ist, das für die Zukunft zu been­den und dar­über mal Klar­text spre­chen zu müs­sen? Viel­leicht ist es ja nur das unge­lieb­te inne­re Kind in Dei­ner Frau, das so viel Auf­merk­sam­keit und Zeit von sei­nem Papa haben möch­te? Oder viel­leicht möch­te Dei­ne Frau ihre inne­ren Wun­den ein­fach nur durch den Kauf von Klei­dung und Scho­ko­la­de über­de­cken?

Wer in Dir denkt der­ma­ßen?

Es ist die leb­lo­se, lang­wei­li­ge Kon­di­tio­nie­rung in Dir, die der­art mecha­nisch re-agiert. Die Kon­di­tio­nie­rung von der ich hier spre­che ist nicht die übli­che Pro­gram­mie­rung Dei­nes Sys­tems, die durch Sozia­li­sa­ti­on in Dei­ner Kind­heit etc. statt­fin­det. Es ist eine viel fei­ne­re Form der Pro­gram­mie­rung.

Es ist eine Kon­di­tio­nie­rung für die Du Dich per Inkar­na­ti­on sel­ber ent­schie­den hast. Die Dich schon vor Dei­nem ers­ten Atem­zug ergrif­fen hat. Die Du genutzt hast, um in die­se Welt gebo­ren und schließ­lich ein aus­ge­wach­se­nes mensch­li­ches Wesen zu wer­den.

Aber nun brauchst Du sie nicht mehr.

Der Haken: Inner­halb der Kon­di­tio­nie­rung scheint es nicht vor­ge­se­hen zu sein, die­se abzu­ge­ben, sobald sie ihren Zweck erfüllt hat. Statt­des­sen miss­brau­chen wir sie, um nicht mit ihr und unse­rer gesam­ten Iden­ti­tät von der Bild­flä­che zu ver­schwin­den. Wir wol­len lie­ber noch irgend­je­mand sein, anstatt nie­mand.

Das, wovon ich hier spre­che ist Dei­ne Pro­gram­mie­rung als Mann!

Die Zeit in der wir leben ist wahr­schein­lich der Höhe­punkt des ratio­na­len Zeit­al­ters, in dem, dem alles ana­ly­sie­ren­den ver­rück­ten Wis­sen­schaft­ler in allen Lebens­be­rei­chen eine Exis­tenz­be­rech­ti­gung und Leit­funk­ti­on zuge­spro­chen wird.

Wir sind es so gewohnt, den gan­zen Tag im Modus des ver­rück­ten Wis­sen­schaft­lers zu leben, dass wir gar nicht mehr erken­nen, dass und wo über­all Ana­ly­se statt­fin­det. Wir sind ziem­lich schlecht dar­in, die Din­ge so zu las­sen, wie sie sind. Wir fin­den immer den Feh­ler, der uns ver­meint­lich bedroht, anstatt die Per­fek­ti­on zu sehen. Gera­de was unse­re Frau betrifft.

Wir leben in einer Zeit, in der alles Zwi­schen­mensch­li­che, jede Hand­lung psy­cho­lo­gi­siert und bewer­tet wird. In der man meint, über das Spre­chen und Ver­ste­hen alle Pro­ble­me aus dem Weg räu­men und die Lösung für alles fin­den zu kön­nen.

But that’s not the truth.

Wirk­li­che Lie­be, wirk­li­ches Ver­ste­hen des ande­ren voll­zieht sich näm­lich genau nicht durch das gemein­sa­me Spre­chen.

Man kann sogar sagen, dass inner­halb der Bezie­hung das Spre­chen über die Bezie­hung und das Ana­ly­sie­ren der Bezie­hung ein unbe­wuss­ter männ­li­cher Ver­mei­dungs­me­cha­nis­mus ist, um nicht ganz in einer erwa­chen­den Bezie­hung ver­sin­ken zu müs­sen.

Die Ursa­che die­ses mecha­ni­schen Ver­hal­tens ist ganz ein­fach und nicht ana­ly­sier­bar. Denn sie umfasst jeg­li­che Art von Ana­ly­se. Sie lau­tet: Pola­ri­tät. Wenn wir im Modus des Ana­ly­sie­rens und Psy­cho­lo­gi­sie­rens unter­wegs sind und blei­ben, sind wir schlicht auf einem Auge blind.

Ver­schwen­de das Kost­bars­te, was Du hast — Dei­ne Lebens­zeit — nicht damit, wie ein Halb­blin­der umher­zu­ir­ren. Das Psy­cho­lo­gi­sie­ren ist eine ener­ge­tisch-männ­li­che Her­an­ge­hens­wei­se. Es mag sehr wei­se erschei­nen und sich auch so anhö­ren, aber ist das am wenigs­ten Wei­ses­te, was Du tun kannst.

Eine Ana­ly­se hat noch nie in der Geschich­te der Mensch­heit einen Mann zum erwach­ten Krie­ger und durch­drin­gen­den Lieb­ha­ber gemacht. Dein Wunsch, Dei­ne Frau und ihre Hand­lun­gen zu ana­ly­sie­ren oder in gemein­sa­men Gesprä­chen mit ihr Eure Bezie­hungs­pro­ble­me zu psy­cho­lo­gi­sie­ren, zwingt sie nur dazu, ihre männ­li­che Sei­te zu stär­ken und damit abzu­stump­fen und zu ver­här­ten, anstatt fri­scher, zärt­li­cher und ero­ti­scher zu wer­den als je zuvor.

Gib ihr doch ein­fach die Chan­ce, jenes mys­ti­sche Wesen zu sein, das weder ana­ly­siert wer­den muss, noch selbst ana­ly­sie­ren kann. Gib ihr die Chan­ce, ein­fach zu sein, was sie in ihrem tiefs­ten Kern sowie­so schon ist. Pack‘ sie aus und lade sie end­lich ein, die lieb­li­che Rose, der lau­war­me Som­mer­re­gen und die wohl­tu­en­de Mas­sa­ge für die männ­li­che See­le zu sein, nach der auch Du Dich sehnst.

Und höre dem ver­rück­ten Wis­sen­schaft­ler in Dir genau dabei zu, wie er schreit:
“Das geht jetzt aber zu weit”,
“Das ist jetzt wirk­lich zu viel”,
“Letz­te Woche war die­ses und jenes ja noch in Ord­nung, aber das ist jetzt wirk­lich ihr Ego”.

Blei­be lie­be­voll bei ihm, sage ihm Dank und geh’ gemein­sam mit ihm durch das Ster­ben hin­durch.

P. S.: Wenn Du ihn nicht schrei­en hörst, dann bist Du viel­leicht schon erwacht. Wahr­schein­li­cher ist es aber, dass Du noch nicht radi­kal genug bist und noch nicht Dein Bes­tes gege­ben hast.

Don’t be afraid. Keep on moving!