Hast Du den Schrei vor Augen, den ein Fuß­bal­ler ent­lädt, wenn er den Ball im geg­ne­ri­schen Tor ver­senkt hat? Die aus­ufern­den Jubel­po­sen? Das gan­ze Team brüllt, hält sich im Arm und reckt wie­der und wie­der die Faust zum Him­mel. Was für ein emo­tio­na­les Spek­ta­kel — außer­halb eines sol­chen sport­li­chen Events undenk­bar.

War­um die­se über­flu­ten­den, männ­li­chen Gefühls­wel­len? War­um die­ses archa­isch anmu­ten­de Geba­ren?

Bestimmt nicht, weil irgend­je­mand einen Plas­tik­ball in ein ecki­ges Alu­mi­ni­um­ge­häu­se geschos­sen hat. Wir Män­ner ras­ten so aus, weil wir für einen Moment frei sind. Wir haben das Hin­der­nis, die Chal­len­ge gemeis­tert, den Geg­ner besiegt und den Dra­chen erlegt! Oder zumin­dest sind wir der ulti­ma­ti­ven Frei­heit — dem Sieg — ein gan­zes Stück näher gekom­men.
DAS ist das mas­ku­li­ne Wesen: das ewi­ge, nie­mals enden­de Stre­ben nach Frei­heit! Nie­mals geht es um den Orgas­mus, die Beför­de­rung, die Tro­phäe an sich, son­dern immer um die Frei­heit, die es uns ver­spricht! Blut, Schweiß und Trä­nen gip­feln in einem eksta­ti­schen Höhe­punkt, in den ersehn­ten Durch­bruch und plötz­lich ist STILLE. Die Ener­gie hat sich ent­la­den, der hef­ti­ge Drang nach Frei­heit ist ver­schwun­den. Was bleibt, ist Lee­re. Frie­den. End­lich. *seufz*
Wie wir alle wis­sen, hält der Frie­den meis­tens nicht lan­ge an. Unse­re Frau ist wütend, weil wir nach dem Orgas­mus kei­ne Nähe zulas­sen kön­nen, ein Kind lässt die Nudeln mit Toma­ten­so­ße auf den wei­ßen Küchen­bo­den fal­len, die Papier­ber­ge im Büro wer­den höher — und schon war’s das mit dem Frie­den. Also noch­mal von vor­ne: anstren­gen, ent­la­den, Frie­den, rein­klot­zen, ent­la­den, Frie­den… Es hört nicht auf. Das Leben for­dert und for­dert. Du gibst den klei­nen Fin­ger und wirst mit Haut und Haa­ren ver­schlun­gen. Bis zu unse­rem letz­ten Atem­zug wird es etwas zu erle­di­gen, zu ver­bes­sern, zu ler­nen geben. Horn­bach hat Recht, es gibt immer ein nächs­tes Pro­jekt.

Ist die Suche nach Frei­heit also nur eine Far­ce? Von was wol­len wir Jungs uns eigent­lich so drang­voll befrei­en?

Ich möch­te an die­ser Stel­le eine Dif­fe­ren­zie­rung des Frei­heits­be­griffs ein­füh­ren. Ken Wil­ber sag­te es so: „Die Welt kann nur von jenen geret­tet wer­den, die wis­sen, dass die Welt nicht geret­tet wer­den muss!“ Ein Para­do­xon. Das sind die bei­den Gesich­ter Got­tes. Zwei Sei­ten einer Medail­le. Sein und Wer­den. Alles ist per­fekt und alles muss sich ändern. In unse­rer Män­ner­ar­beit umar­men wir bei­des.

Zum Einen ist da der ewi­ge Frie­den, die unend­li­che Stil­le, das gren­zen­lo­se Gewahr­sein. Du musst kein Hin­der­nis über­win­den, kei­ne Anstren­gung ist not­wen­dig. Du kannst Dich nicht von dei­ner Frau oder dei­nem Schat­ten befrei­en, Du bist die Frei­heit selbst. Nichts, was du jemals tust, denkst oder fühlst, wird Dich Dir selbst und der Frei­heit näher brin­gen, you are what you were always seaching for. Wir nen­nen es Sacred Nir­va­na.

Doch wenn Du nun in die Welt schaust, siehst Du und fühlst Du Leid. Ver­ge­wal­ti­gung, Kor­rup­ti­on, Krieg zwi­schen Mann und Frau, Armut, öko­lo­gi­sche Kri­sen usw. – wo immer Du bist, es gibt eine Mil­li­on Din­ge zu ver­än­dern, zu ent­wi­ckeln, zu kor­ri­gie­ren. Selbst wenn gera­de um Dich her­um nichts schief läuft — etwas in uns drängt ein­fach immer wei­ter, zu neu­en Höhen und Tie­fen. Eine zutiefst mensch­li­che, umwäl­zen­de, uner­sätt­li­che Unzu­frie­den­heit bahnt sich ihren Weg durch uns und will stets auf­bre­chen zu neu­en Ufern! That is Sacred Evo­lu­ti­on!

Nir­va­na hat nie begon­nen und wird auch nicht enden, kein Tod, kei­ne Geburt, das ein­fa­che Sosein der gren­zen­lo­sen Gegen­wart. Der Zug der Evo­lu­ti­on ist vor 14 Mil­li­ar­den Jah­ren mit einem explo­si­ven Start­schuss aus­ge­bro­chen und evol­viert seit­dem unge­bro­chen immer höher, schnel­ler und wei­ter zu mehr Kom­ple­xi­tät und mehr Mit­ge­fühl!

Ein Mann – das ist unse­re Erfah­rung – kann im ufer­lo­sen Oze­an ruhen UND sich zu neu­en Ufern auf­ma­chen. Er kann sich lei­den­schaft­lich für die Welt ein­set­zen UND dabei ent­spannt in der Hand Got­tes ver­wei­len. So ein Mann ist gna­den­los effek­tiv und lie­be­voll. Er kann unge­hemmt für die Welt kämp­fen, weil er den Kampf mit sich selbst been­det hat. Wie James Bond oder India­na Jones nimmt er sei­ne Mis­si­on und das Heil die­ser Erde sehr ernst, sich selbst aber nicht. Sein Man­tra lau­tet: „Ich will immer und an ers­ter Stel­le frei sein!“

In unse­rer Gemein­schaft trai­nie­ren wir die­sen Mus­kel der Selbst­lo­sig­keit mit einer kon­kre­ten Pra­xis. Jeden Abend spre­chen wir sinn­ge­mäß: „Gott, ich lege Dir alles was ich heu­te gedacht, gefühlt und getan habe, zu Füßen — all mei­ne Erfol­ge und all mei­ne Miss­erfol­ge. Ich habe heu­te alles für Dich gege­ben, bit­te, mach das Bes­te draus!“ Das befreit uns von uns selbst, von dem Irr­glau­ben, dass unser klei­nes, begrenz­tes Selbst alles unter Kon­trol­le hät­te. Und es lehrt uns Demut: Demut vor etwas, was wir nie­mals begrei­fen wer­den und das unend­lich viel grö­ßer ist als wir selbst. Demü­tig gehen wir in die Knie und wer­den auf­ge­rich­tet. Wir wer­den zu Agen­ten Got­tes, fried­vol­len Krie­gern und strah­len­den See­len.

Sounds good? Ja, die Theo­rie hört sich meis­tens gut an ;-).
Der Här­te­test ist für uns nicht das Medi­ta­ti­ons­kis­sen, son­dern das Leben selbst, unser All­tag, unse­re Kin­der und vor allem unse­re Frau­en. Hier­an las­sen wir uns mes­sen. Wäh­rend die Ver­trau­ens­wür­dig­keit einer Frau von ihren Schwes­tern getes­tet wird, besteht unse­re hef­tigs­te Kon­fron­ta­ti­on NICHT im Zusam­men­sein mit unse­ren Brü­dern. Wie wir immer wie­der fest­stel­len, zum Bei­spiel bei unse­rem Kil­ler- Retre­at vor zwei Wochen, ent­span­nen sich Män­ner, wenn sie unter sich sind, ziem­lich schnell. Das gan­ze Macho- und Kon­kur­renz­ge­ha­be ver­schwin­det und wir haben eine coo­le Zeit zusam­men. Dann holen wir vier strah­len­de Frau­en dazu und inner­halb von Sekun­den ist die Locker­heit ver­schwun­den. Wir Män­nern kön­nen uns gegen­sei­tig in unse­rem Frei­heits­grad chal­len­gen, Her­aus­for­de­run­gen stel­len, unse­re Schat­ten beleuch­ten und uns ermu­ti­gen und erhe­ben, aber der Test, ob wir hart und sanft genug trai­niert haben, sind Frau­en, das Femi­ni­ne!

Wie reagie­ren wir auf Kri­tik & Nör­ge­lei von Frau­en? Wie steht es mit Dei­ner Prä­senz, wenn eine Frau redet und redet und redet…? Kannst Du den emo­tio­na­len Orkan einer Frau genie­ßen, ohne zum klei­nen Jun­gen zu regre­die­ren?

Eine ein­fa­che Packungs­bei­la­ge für Frau­en gibt es im nächs­ten Blog!