Im vor­he­ri­gen Arti­kel haben wir uns die Schat­ten­sei­ten der Einen Frau ange­schaut, die in allen und als alle Frau­en lebt, stirbt, liebt und lei­det. Wir haben erkannt, dass es im Wesent­li­chen zwei Urer­fah­run­gen sind, die das Ego der Frau aus­ma­chen: Am Anfang ihrer irdi­schen Exis­tenz steht die erschüt­tern­de Erfah­rung tota­ler Macht­lo­sig­keit und das Gefühl grund­sätz­li­cher Min­der­wer­tig­keit gegen­über der phy­si­schen und oft auch noch gesell­schaft­lich fest ver­an­ker­ten sexu­el­len, poli­ti­schen, wirt­schaft­li­chen, sozia­len und intel­lek­tu­el­len Über­macht des Mas­ku­li­nen. Im wei­te­ren Ver­lauf ihres Lebens mit dem Erwa­chen ihrer weib­li­chen Sexua­li­tät (und viel­leicht auch schon vor­her durch die Beob­ach­tung der älte­ren Frau­en und Mäd­chen) ent­deckt sie auch eine Quel­le der Macht. Sie lernt schnell, sie zu ihrem Schutz vor der Macht der Män­ner und spä­ter auch zu ihrem Vor­teil ein­zu­set­zen.

Die Ver­bin­dun­gen, die sie dabei zu ande­ren Frau­en ein­geht, beru­hen oft ursprüng­lich auf Angst und dem Bedürf­nis, in der Grup­pe ande­rer Lei­dens­ge­nos­sin­nen Stär­kung und Schutz zu erfah­ren. Ihre gemein­schaft­li­che Ver­schwis­te­rung geschieht auf der Basis ihres Opfer­da­seins und ist daher sehr fra­gil. Denn sobald Män­ner in irgend­ei­ner Wei­se mit ins Spiel kom­men, kann man immer wie­der erle­ben, wie schnell Riva­li­tä­ten und bos­haf­te Sti­che­lei­en zwi­schen den vor­mals ver­meint­lich freund­schaft­lich ver­bun­de­nen Frau­en auf­flam­men. Das kann zum Bei­spiel dadurch gesche­hen, dass die eine einen neu­en Freund hat, mit dem sie fort­an mehr Zeit ver­bringt als mit ihren Freun­din­nen, oder dadurch, dass sich eine Arbeits­kol­le­gin der ande­ren gegen­über von ihrem männ­li­chen Chef benach­tei­ligt fühlt. Wie hei­len wir die­se Wun­de des Weib­li­chen, die sich wie ein Gra­ben zwi­schen den ein­zel­nen Frau­en ent­lang zieht und uns ent­zweit? Ich wer­de hier, um die­se Fra­ge zu beant­wor­ten, nur einen klei­nen Aus­schnitt die­ses kom­ple­xen The­mas beleuch­ten kön­nen und mich daher auf die Grund­la­gen des Hei­lungs­pro­zes­ses an sich und dem Umgang in unse­rer Sangha damit kon­zen­trie­ren. Eine nähe­re Betrach­tung der kon­kre­ten inhalt­li­chen The­men, die uns Frau­en unter­ein­an­der und mit den Män­nern beschäf­ti­gen, kann und wird aber auf jeden Fall noch an ande­rer Stel­le gesche­hen.

Der aller­ers­te und wesent­li­che Schritt besteht in dem ernst­haf­ten Wunsch nach Frie­den und Ver­söh­nung und der auf­rich­ti­gen Bereit­schaft, alle nöti­gen Maß­nah­men für deren Ver­wirk­li­chung zu in die Tat umzu­set­zen. Dies zu tun, erfor­dert den Mut, sich unse­ren indi­vi­du­el­len und kol­lek­ti­ven Schat­ten zu stel­len und die vol­le Ver­ant­wor­tung für all unser Han­deln und sei­ne Kon­se­quen­zen zu über­neh­men. Es bedeu­tet, in der voll­stän­di­gen Wür­di­gung unse­rer Ver­let­zung und lie­ben­den Hal­ten unse­res Gebro­chen­seins frei­wil­lig unse­ren Opfer­sta­tus auf­zu­ge­ben und damit auch unser Recht auf Täter­schaft. Den Frie­den und die Ver­söh­nung wich­ti­ger als alles ande­re zu neh­men bedeu­tet, sich radi­kal ein­zu­ge­ste­hen, dass sowohl das auf sei­ne Hilf­lo­sig­keit und Min­der­wer­tig­keit bestehen­de Opfer als auch die sexu­ell mani­pu­lie­ren­de (Schein-)Göttin die zwei Sei­ten ein- und der­sel­ben gespal­te­nen Schlan­gen­zun­ge des weib­li­chen Egos bil­den, die sowohl in der indi­vi­du­el­len Frau als auch zwi­schen der Gemein­schaft der Frau­en zün­gelt. Wir kön­nen erken­nen, dass wir alle im sel­ben Sumpf aus Leid, unver­ar­bei­te­tem Schmerz und den dar­aus resul­tie­ren­den Mus­tern des gegen­sei­ti­gen Miss­brauchs hocken.

Dies ist eine bit­te­re Pil­le, die es zu schlu­cken gilt, und an dem Unwil­len, dies zu tun, schei­tern die meis­ten halb­her­zi­gen Ver­söh­nungs­ver­su­che. Doch dar­in sind wir alle ver­eint, und wir kön­nen uns in einer Grup­pe von Frau­en, die sich dem frei­wil­lig ver­schrie­ben haben, mit vor­be­halt­lo­ser Trans­pa­renz und lie­be­vol­ler Hart­nä­ckig­keit immer wie­der dar­auf auf­merk­sam machen, wenn eines die­ser Miss­brauchs­mus­ter wie­der greift. Mit ihnen kön­nen wir die­sel­be Erfah­rung machen wie mit einem blo­ckier­ten Wir­bel: anfäng­lich springt er durch die an die­se fal­sche Hal­tung ange­pass­ten und ihn nun zurück zie­hen­den Mus­keln und Seh­nen immer wie­der in sei­ne gewohn­te, unge­sun­de Posi­ti­on zurück. Doch mit der Zeit, wenn sich die Mus­keln gelo­ckert haben, durch regel­mä­ßi­ge Übun­gen trai­niert wur­den und sich wie­der an die ursprüng­li­che, gesun­de Posi­ti­on des Wir­bels gewöhnt haben, wird er immer sel­te­ner her­aus­sprin­gen und auch das Zurück­schie­ben wird immer leich­ter sein. Irgend­wann wer­den sie ihn wie selbst­ver­ständ­lich an sei­nem rich­ti­gen Platz hal­ten. Genau wie die­se phy­sio­the­ra­peu­ti­sche Arbeit braucht auch die Arbeit der Frau­en unter­ein­an­der an ihrem weib­li­chen Ego Geduld, Zeit und Hin­ga­be. Sie kann sich am Anfang sehr müh­se­lig und schmerz­haft, ja gera­de­zu frus­trie­rend und zuwei­len auch Ekel erre­gend anfüh­len, weil wir fest­stel­len müs­sen, dass wir den Zustand wahr­haf­ti­gen Ver­trau­ens und bedin­gungs­lo­ser Lie­be zuein­an­der und ent­spann­ter Ver­bun­den­heit mit­ein­an­der nicht wirk­lich ken­nen. Der Schritt hin zu wahr­haf­ti­ger Befrei­ung des Weib­li­chen und geleb­tem Frie­den der Frau­en unter­ein­an­der ist ein Schritt in die Dun­kel­heit des Unbe­kann­ten.

Zu stark steckt der Sta­chel der Angst und des Miss­trau­ens im Fleisch unse­res kol­lek­ti­ven Zell­ge­dächt­nis­ses, und bei des­sen Ent­fer­nung ent­ste­hen höl­li­sche Schmer­zen und es kommt stin­ken­der Eiter an die Ober­flä­che. Doch nur durch des­sen Ent­fer­nung kann das rei­ni­gen­de Blut aus der Wun­de flie­ßen und sie schließ­lich auch ver­sie­geln und hei­len las­sen. Gera­de in den dun­kels­ten Stun­den der Schat­ten­ar­beit und des Wüh­lens im Schlamm des eige­nen und kol­lek­ti­ven ener­ge­ti­schen Miss­brauchs ist es des­we­gen so wich­tig, sich stän­dig die abso­lu­te und immer schon sei­en­de Rea­li­tät des gren­zen­lo­sen Frie­dens von Nicht-Zwei ver­ge­gen­wär­tigt zu hal­ten. In unse­rem Kon­text ist der Guru die Ver­kör­pe­rung die­ses abso­lu­ten, zeit­lo­sen, raum­lo­sen und form­lo­sen Frie­dens, der nie­mals erschüt­tert wer­den kann und aus dem kein Wesen jemals wirk­lich her­aus­ge­fal­len ist — auch kei­ne Frau, und sei sie noch so sehr ver­letzt wor­den und nun selbst jemand, die ande­re ver­letzt.

Wir sind nicht nur unser Trau­ma und nicht nur getrenn­te Geschöp­fe, die sich mit­ein­an­der im Krieg befin­den, son­dern wir sind immer auch DAS: unge­teil­ter Frie­den und unver­gäng­li­che Stil­le, in der es nie­mals ein weib­li­ches Ego gab und in der bereits alles über­wäl­ti­gend gut ist. Dar­über hin­aus hilft es, uns immer dar­an zu erin­nern, war­um wir die­se sich zuwei­len schreck­lich anfüh­len­de Arbeit über­haupt tun: zum Einen, weil der Frie­den bereits wahr ist und wir der Wahr­heit unse­rer Natur dadurch nur den pas­sen­den Aus­druck ver­lei­hen, und zum Ande­ren, weil wir das Leben SO SEHR lie­ben und es so über­wäl­ti­gend gut ist. Wir tun es, weil wir so sehr an Wei­ter­ent­wick­lung inter­es­siert sind und weil wir wis­sen, dass Gott sich nur durch uns und als wir BEWUSST zu immer höhe­ren und voll­kom­me­ne­ren For­men der unend­li­chen Lie­be, der gren­zen­lo­sen Weis­heit und des alles umar­men­den Mit­ge­fühls rea­li­sie­ren kann, die er und sie und es bereits in sei­nem Wesen ist. Die Göt­tin hat ihre Rea­li­sa­ti­on in bedin­gungs­lo­sem Ver­trau­en in unse­re Hän­de gelegt und wir sind ihre neu­es­te und voll­kom­mens­te Ver­kör­pe­rung. Wie wir Frau­en das in der Sacred Human Sangha prak­ti­zie­ren, erfährst Du im nächs­ten Blog­post.