Du wachst mor­gens auf und alles um Dich her­um ist dun­kel. Kein Licht­strahl von drau­ßen, noch nicht mal ein klit­ze­klei­nes Leuch­ten unter der Tür her­vor. Der Wecker, der Dich jeden Mor­gen aus dem Schlaf ruft, ist nicht hör­bar; kein Ticken der Sekun­den.
„Irgend­et­was stimmt hier nicht“, schießt sofort durch den Kopf.
Du stehst auf und irgend­wie fühlst Du Dich wacke­lig auf den Bei­nen. Mit bei­den Hän­den vor­an tas­tend und mit den Füßen gegen alle mög­li­chen Gegen­stän­de tre­tend, die Du ges­tern weg­ge­räumt haben woll­test, immer Rich­tung Licht­schal­ter. Du drückst ihn, und nichts pas­siert. Kein Licht. Kei­ne Wär­me. Kein Sehen. Nicht ein­mal das lei­se Kli­cken beim Drü­cken des Schal­ters kannst Du hören. Alles ver­sinkt in Dun­kel­heit und Stil­le.

Allein bei die­ser Vor­stel­lung von einer sehr kur­zen und doch all­täg­li­chen Sequenz aus dem Leben, kön­nen wir bemer­ken, wie sehr wir auf unse­re Sin­ne ange­wie­sen sind.
Sehen, Hören und Tas­ten sind schon in den ers­ten Sekun­den des Tages so wich­tig und geben uns Lebens­qua­li­tät.

Es geht nicht um eine Krank­heit oder einen Unfall, son­dern uns ein­fach mal dar­auf ein­zu­las­sen, was geschieht, wenn uns alle Sin­ne ver­las­sen wür­den.
Wenn Du Dein Bröt­chen nicht sehen kannst, es nur pel­zig in der Hand fühlst und Du nicht schmeckst, was dort für ein Belag drauf ist; Dein Rie­chen Dich so weit im Stich lässt, dass Du nicht zwi­schen gesund und Gift unter­schei­den kannst.

Was für ein Gefühl ist es, ein­ge­schlos­sen und gefan­gen im eige­nen Kör­per zu sein?

Schon im Kin­der­gar­ten wer­den die ein­zel­nen Sin­ne gelehrt. Es gibt vie­le Spie­le und Übun­gen, die uns dar­in schu­len, mehr wahr­zu­neh­men, um mit uns und unse­rer Umwelt in einem acht­sa­men und lie­be­vol­len Kon­takt zu sein.

Nun kannst Du sehen, wie schmerz­haft es ist, dann nicht auf Dei­ne Sin­ne und Fähig­kei­ten zurück­grei­fen zu kön­nen, wenn Du es möch­test.
„Wie oft müs­sen wir erst etwas ver­lie­ren, bevor wir es wirk­lich zu schät­zen wis­sen?“ Wie häu­fig hast Du die­sen Satz schon gehört?

Und jetzt geh noch einen Schritt wei­ter.
„Wie schmerz­haft ist es wohl, wenn wir mit den äuße­ren Augen sehen und die inne­ren dabei ver­schlos­sen blei­ben?
Was macht es für einen Unter­scheid in der Welt, wenn Leid und Schmerz gese­hen, und nicht gehan­delt wird, oder man ande­rer­seits zu akti­vem Mit­ge­fühl fähig ist?“

Fan­gen wir im Klei­nen an:
Nimm Dir eine Per­son im Super­markt, auf der Arbeit oder auf der Stra­ße. Schen­ke ihr einen lie­be­vol­len und offe­nen Blick.
„Auch wenn ich die­se Per­son nicht ken­ne? Wie kommt das denn bit­te an?“ So etwas könn­te eine Stim­me in Dir skep­tisch fra­gen.
Und dann fra­ge ich Dich: „Was wäre, wenn Du an die­sem Tag die ein­zi­ge Per­son bist, die die­sem Men­schen durch die­se mini­ma­le Ges­te des SEHENS Aner­ken­nung und Respekt geben könn­test?“

Wenn ein Kind auf die Nase fällt und weint, weil es sich weh getan hat, nimmst Du es in den Arm, um es zu trös­ten. Nicht um die Wun­de zu hei­len, son­dern um in Mit­ge­fühl da zu sein, dei­ne Prä­senz aus­zu­drü­cken.
„Berüh­re jeman­den so, dass Du nicht nur über sei­ne Haut strei­chelst, son­dern sei­ne See­le berührst.“
Was für einen leben­di­gen Unter­schied macht es aus, wenn Du jeman­den berührst und dabei Dein Gegen­über wirk­lich wahr­nimmst. So wie er sich anfühlt vom kör­per­li­chen und auch ob Du viel­leicht Span­nun­gen füh­len kannst. Und genau so, auch bei Dir selbst füh­len kannst, wie Dein Kör­per gera­de ist.

Und lass uns noch gemein­sam die ande­ren Sin­ne anse­hen.

Ich hat­te eben das Bei­spiel gebracht mit dem Früh­stücks­bröt­chen, wo Du durch den feh­len­den Geschmack erra­ten müss­test, was sich dar­auf befin­det. Die gesam­te Viel­falt der Gewür­ze zu schme­cken und sich ein­zu­ver­lei­ben ist pure Lebens­freu­de. Und dabei kommt es gar nicht dar­auf an, ob Du etwas magst oder nicht magst. Ob Du eher süß, sal­zig, bit­ter oder sau­er bevor­zugst, spielt kei­ne Rol­le. Denn alle die­se unter­schied­li­chen Geschmacks­rich­tun­gen lösen etwas in Dei­nem Kör­per aus. Und das mal wahr­zu­neh­men und zu leben.

Und ganz ähn­lich ver­hält es sich mit dem Rie­chen. Kannst du erken­nen, wie­viel Lebens­qua­li­tät Dir die­ser Sinn gibt?
Von den vol­len Win­deln eines Kin­des, über Knob­lauch und Pfef­fer bis hin zu frisch gemäh­ten Alm­wie­sen.

Es steckt so unend­lich viel Ener­gie, Freu­de und Frei­heit dar­in, so leben zu dür­fen und zu kön­nen. Alles um uns her­um, auf so vie­le Wei­sen und unter­schied­li­chen Qua­li­tä­ten. Welch ein Geschenk und eine Gna­de.