ID, 'thumbnail' ); } add_action( 'tribe_events_list_widget_before_the_event_title', 'custom_widget_featured_image' ); Der Kult-Mythos: Freiheit für religiöse Minderheiten! | SACRED HUMAN

Ein Sac­red-Human-Dia­log auf den Grund­la­gen, den For­schun­gen und Leit­li­ni­en der Stif­tung gegen Into­le­ranz gegen­über reli­giö­sen Min­der­hei­ten (FIRM – Foun­da­ti­on against Into­le­ran­ce of Reli­gious Mino­ri­ties)


Flo­ri­an: Lass uns mal über uns als Sac­red Human Bewe­gung spre­chen und dabei schau­en, wel­che Rol­le wir damit in der Gesell­schaft ein­neh­men, denn ich glau­be es ist an der Zeit, dass wir mal den Ele­fan­ten im Raum benen­nen, oder?
Lass uns dazu auch kurz erwäh­nen, wie es dazu kommt, dass wir die­sen Dia­log hier ver­öf­fent­li­chen.

Tim: Ja, genau. In der Aus­ein­an­der­set­zung mit Denun­zia­ti­on und Dis­kri­mi­nie­rung, die uns schon seit Beginn unse­rer Bewe­gung, beson­ders aber in den letz­ten Mona­ten begeg­net, ver­ste­hen wir mehr und mehr die sozio­lo­gi­schen Hin­ter­grün­de und die Par­al­le­len zu ande­ren kul­tu­rel­len Bewe­gun­gen. Wir möch­ten hier­mit auch ande­re reli­giö­se Bewe­gun­gen ermu­ti­gen, ihren Glau­ben leben­dig und auch öffent­lich zu prak­ti­zie­ren.

Flo­ri­an: Bevor wir star­ten, lass uns trans­pa­rent dar­le­gen, was die text­li­che Grund­la­ge die­ses Dia­logs ist. 

Tim: Genau. Es ist die Pio­nier-Arbeit der FIRM – der „Foun­da­ti­on against Into­le­ran­ce of Reli­gious Mino­ri­ties“. Dazu haben wir die Tex­te ver­schie­de­ner Autoren die­ser Stif­tung in die­sen Dia­log über­setzt, zusam­men­ge­fasst und — wo nötig — an den euro­päi­schen Kul­tur­raum ange­passt. Die­se Stif­tung gegen Into­le­ranz gegen­über reli­giö­sen Min­der­hei­ten setzt sich für Men­schen­rech­te, sozia­le Rech­te und die Rech­te reli­giö­ser und spi­ri­tu­el­ler Grup­pen ein. Dazu infor­miert die Stif­tung die Öffent­lich­keit über alle Arten offen­sicht­li­cher und sub­ti­ler Vor­ur­tei­le gegen­über vie­len reli­giö­sen Min­der­hei­ten. 

Flo­ri­an: Erstaun­li­cher­wei­se ist die Dis­kri­mi­nie­rung gegen­über reli­giö­sen Min­der­hei­ten direkt ver­gleich­bar mit jeder ande­ren Form von Dis­kri­mi­nie­rung — gleich wel­cher gesell­schaft­li­chen Grup­pe gegen­über. Zum Bei­spiel wur­den und wer­den Men­schen auf­grund ihres Geschlechts dis­kri­mi­niert oder auch Men­schen mit Behin­de­run­gen, sowie Ange­hö­ri­ge ande­rer Eth­ni­en. Und heu­te rei­hen sich die neu­en reli­giö­sen Gemein­schaf­ten in die­se Auf­zäh­lung ein. Es ist daher not­wen­dig, dass unse­re Gesell­schaft auch in Bezug auf reli­giö­se Min­der­hei­ten so sen­si­bel wird, wie sie es an vie­len ande­ren Stel­len schon gewor­den ist. — Tim, was ist Dei­ner Ansicht nach der Ele­fant im Raum? 

Tim: Ganz ein­fach gesagt, geht es um Wor­te wie „Kult“ oder auch „Sek­te“, „Kult­füh­rer“ oder „Guru“. Die­se Wor­te sind in der Gesell­schaft nega­tiv kon­no­tiert und wer­den daher in einer dis­kri­mi­nie­ren­den Wei­se genutzt. Sie wer­den jedoch auch genutzt, um fried­li­che und vor allem frei­wil­li­ge Ange­hö­ri­ge von klei­ne­ren, neu­en und unab­hän­gi­gen Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten zu brand­mar­ken und sie so in eine bestimm­te gesell­schaft­li­che Ecke zu stel­len. Das passt jedoch mit der Reli­gi­ons­frei­heit oder ande­ren frei­heit­li­chen Grund­wer­ten unse­rer Gesell­schaft nicht zusam­men.

Flo­ri­an: Das ist echt span­nend oder? Selbst in unse­ren west­li­chen Staa­ten, in denen wir Wer­te wie Reli­gi­ons­frei­heit, Plu­ra­lis­mus und Tole­ranz hoch­hal­ten, gibt es manch­mal noch ein star­kes Gefäl­le zwi­schen den hohen Wer­ten, zu denen man sich einer­seits auf dem Papier gern bekennt und der geleb­ten Pra­xis ande­rer­seits. Tat­säch­lich gibt es hier in Euro­pa wirk­lich Grund genug, um stolz auf unse­re Errun­gen­schaf­ten zu sein, wenn wir schau­en, was Bewe­gun­gen wie die Frau­en­be­we­gung, die Schwu­len­be­we­gung, Kin­der­rechts­be­we­gung und vie­le ande­re in den letz­ten Jah­ren und Jahr­zehn­ten posi­tiv bewirkt haben. So wie ein Mann es nicht wagen wür­de, den Hin­tern sei­ner Kol­le­gin am Arbeits­platz zu tät­scheln, so wer­den abfäl­li­ge Bemer­kun­gen gegen­über Ange­hö­ri­gen ande­rer Eth­ni­en oder gegen­über Men­schen mit ande­rer Haut­far­be ver­mie­den.

Tim: Das sind wirk­lich wich­ti­ge Errun­gen­schaf­ten der Post­mo­der­ne!

Flo­ri­an: Oh ja, defi­ni­tiv! Schau­en wir jetzt mal genau­er auf die Dis­kri­mi­nie­rung gegen­über reli­giö­sen Min­der­hei­ten, ins­be­son­de­re vor dem Hin­ter­grund des soge­nann­ten „Kult“-Mythos, denn dabei han­delt es sich immer noch um einen der bestän­digs­ten dunk­len Fle­cken mit erheb­li­chem Ent­wick­lungs­be­darf.

Tim: Wir haben bei unse­ren Recher­chen her­aus­ge­fun­den, dass es einen bestimm­ten Pro­zess gibt, der sich immer wie­der­holt, und zwar unab­hän­gig davon, um wel­ches Phä­no­men es dabei kon­kret geht. Sowohl der Kampf gegen Ras­sis­mus, Sexis­mus oder auch für Tier­rech­te, der Kampf also gegen Into­le­ranz oder Vor­ur­tei­le jeg­li­cher Art, tritt aller Erfah­rung nach in fünf Pha­sen auf. Lass uns da mal genau hin­schau­en und am Ende über­prü­fen, wo die Gesell­schaft im Bezug auf reli­giö­se Min­der­hei­ten steckt:

Also:

Pha­se 1. Into­le­ranz, Ver­fol­gung und Unge­rech­tig­kei­ten gegen­über Min­der­hei­ten zei­gen sich unre­flek­tiert und sowohl bru­tal kon­kret, als auch ver­steckt sub­til in allen For­men grund­sätz­li­cher Dis­kri­mi­nie­rung.

Pha­se 2. Eine sozia­le Bewe­gung ent­steht, um die­ser Form der Dis­kri­mi­nie­rung ent­ge­gen­zu­wir­ken. Teil­wei­se wird die Dis­kri­mi­nie­rung und der Wider­stand hier noch hef­ti­ger.

Pha­se 3. Das gesell­schaft­li­che Bewusst­sein ist sen­si­bi­li­siert, so dass die Bewe­gung sozi­al akzep­tiert wird. Inso­fern wer­den Geset­ze geän­dert, um Chan­cen­gleich­heit, Rech­te und Pri­vi­le­gi­en zu gewähr­leis­ten.

Pha­se 4. Jetzt ist die Gesell­schaft gegen ihre frü­he­re Dis­kri­mi­nie­rung über­sen­si­bi­li­siert und bewegt sich in Form einer „poli­ti­schen Kor­rekt­heits-Bewe­gung“, deren Ziel es ist, jede Spra­che und Hand­lung schon im Vor­feld zu eli­mi­nie­ren, die mög­li­cher­wei­se offen oder ver­deckt als dis­kri­mi­nie­rend auf­ge­fasst wer­den kann.

Pha­se 5. Die Gesell­schaft schwingt in Rich­tung einer natür­li­chen Balan­ce: Ech­te Chan­cen­gleich­heit wird rea­li­siert und ein offe­ner, wert­schät­zen­der Dia­log ent­steht zwi­schen den Geschlech­tern, Ras­sen, sexu­el­len Prä­fe­ren­zen, Reli­gio­nen etc.

Flo­ri­an: Das ist span­nend. Offen­sicht­lich befin­den sich bereits vie­le Bewe­gun­gen, wie zum Bei­spiel die Frau­en­rechts­be­we­gun­gen, heu­te in den Pha­sen 4 bis 5, wäh­rend sich der Kampf gegen die Into­le­ranz gegen­über reli­giö­sen Min­der­hei­ten lei­der noch weit­ge­hend in Pha­se 1 befin­det.

Tim: Ja. Die ver­schie­de­nen Frei­hei­ten, die Regie­run­gen und inter­na­tio­na­le Orga­ni­sa­tio­nen, wie die Ver­ein­ten Natio­nen, garan­tie­ren, kom­men in reli­giö­sen Fra­gen weit­ge­hend den gro­ßen Reli­gio­nen zugu­te. Mit ande­ren Wor­ten: Wir haben da echt noch einen lan­gen Weg vor uns!

Flo­ri­an: Dann lass uns doch mal ein Stück des Weges gehen und die Begrif­fe „Kult“ und „Kult­füh­rer“, „Sek­te“, oder „Guru“ genau­er anschau­en. Was eint sie alle zusam­men und war­um ver­wen­den wir hier als ein­heit­li­chen Begriff das Wort „Kult-Mythos“.

Tim: Die Wör­ter „Kult“ und „Kult­füh­rer“, „Sek­te“, oder „Guru“ wer­den im All­ge­mei­nen als hass­erfüll­te „Knopf“-Wörter ver­wen­det, um Men­schen und ihre Glau­bens­ge­mein­schaf­ten absicht­lich abzu­wer­ten. Die Wör­ter wer­den also dazu ver­wen­det, um Men­schen näm­lich auf schwar­ze Lis­ten zu set­zen und moder­ne „Hexen­jag­den“ zu recht­fer­ti­gen. Wör­ter wie „Sek­te“ — was über­setzt ein­fach nur “Grup­pie­rung” heißt — zie­len dar­auf ab, in der Öffent­lich­keit Angst und Abscheu zu erzeu­gen und tra­gen in hohem Maße zur reli­giö­sen Into­le­ranz bei. Ins­be­son­de­re in den Medi­en ent­hal­ten die­se Wor­te einen star­ken emo­tio­na­len Inhalt. Das Wort fühlt sich unwei­ger­lich so an, als hand­le es sich um Men­schen, die man ver­ab­scheu­en, mei­den und fürch­ten soll­te.

Flo­ri­an: Offen­sicht­lich sind das Wor­te mit einer hohen mani­pu­la­ti­ven Wir­kung. Machen wir uns aber ein­fach klar, um was es in Wirk­lich­keit geht. Letzt­lich besteht das „Ver­bre­chen“ der meis­ten soge­nann­ten „Kul­te“ oder “Sek­ten” ein­fach dar­in, dass sie ande­re reli­giö­se Über­zeu­gun­gen ver­tre­ten, als die­je­ni­gen Per­so­nen, die eine sol­che reli­giö­se Grup­pie­rung zu dis­kre­di­tie­ren ver­su­chen. Oder weil die moder­nen reli­giö­sen Bewe­gun­gen von Dog­men der „Main­stream-Reli­gio­nen“ abwei­chen.

Tim: Ein ers­ter Schritt kann und muss sein, dass wir mit die­sen Begrif­fen wegen des unglaub­li­chen ent­hal­te­nen Bal­las­tes sen­si­bel umge­hen. Unser Ziel ist es an die­ser Stel­le, unse­re Spra­che so acht­sam zu wäh­len, dass sie in der Gesell­schaft nicht direk­te Vor­ur­tei­le schü­ren, son­dern Respekt und intel­li­gen­te Rück­sicht­nah­me her­vor­ru­fen. Wir kön­nen kei­nes­wegs bean­spru­chen, von allen toll gefun­den zu wer­den, aber Respekt soll­ten wir ein­an­der den­noch immer ent­ge­gen brin­gen kön­nen.

Flo­ri­an: Die­ser Respekt wird unter ande­rem dar­an deut­lich, dass die For­mu­lie­rung “neue reli­giö­se Bewe­gung” heut­zu­ta­ge die bevor­zug­te For­mu­lie­rung unter Reli­gi­ons­so­zio­lo­gen ist. Lass uns noch einen Schritt wei­ter gehen und noch zwei wei­te­re Begrif­fe in die­sem Zusam­men­hang anschau­en, und zwar „Aus­stei­ger“ und „Ex-Mit­glied“.

Tim: Wie wür­dest Du den Unter­schied beschrei­ben?

Flo­ri­an: Nun, wäh­rend “Ex-Mit­glie­der” ein­fach aus­tre­ten, weil sie nicht gefun­den haben, was sie suchen, oder aber genug gelernt haben oder ein­fach ande­re indi­vi­du­el­le Grün­de dafür haben, ihre Rei­se anders fort­zu­set­zen, bas­teln sich selbst ernann­te „Aus­stei­ger“ eine „Aus­stei­ger-Iden­ti­tät“ zurecht. Man­che bau­en dar­auf sogar ein Geschäfts­mo­dell auf. Unse­rer Erfah­rung der letz­ten Jah­re zufol­ge sind selbst ernann­te „Aus­stei­ger“ eine Min­der­heit gegen­über der Mehr­heit von ein­fa­chen Ex-Mit­glie­dern.

Tim: Ja, offen­sicht­lich braucht jeder selbst ernann­te „Aus­stei­ger“ im All­ge­mei­nen eine Selbst­be­grün­dung für die Abkehr von dem, wo er ein­mal ver­sprach, sein gan­zes Herz hin­ein­zu­ge­ben. Er ver­sucht im Nach­hin­ein, sei­ne eige­ne Ver­gan­gen­heit zu rekon­stru­ie­ren, sei­ne frü­he­ren Ver­bin­dun­gen zu ent­schul­di­gen und die­je­ni­gen zu beschul­di­gen, die frü­her sei­ne engs­ten Mit­ar­bei­ter und Freun­de waren. Nicht sel­ten lernt der „Aus­stei­ger“ eine „Gräu­el­ge­schich­te“ aus­wen­dig, um zu erklä­ren, wie er durch ver­meint­li­che Mani­pu­la­ti­on, Betrug, Zwang oder Täu­schung dazu gebracht wur­de, sich einer Orga­ni­sa­ti­on anzu­schlie­ßen oder in die­ser zu blei­ben, die er jetzt ablehnt und ver­ur­teilt.

Flo­ri­an: Exakt. Die aller­meis­ten ehe­ma­li­gen Mit­glie­der hin­ge­gen bas­teln sich kei­ne sol­che Aus­stei­ger-Bio­gra­fie zusam­men, was wir aus dem Kon­takt mit man­chen ehe­ma­li­gen Mit­glie­dern wis­sen, der gele­gent­lich lose wei­ter besteht. Sie blei­ben ein­fach Ex-Mit­glie­der, die ihre Grün­de hat­ten, aber es immer noch als weit­ge­hend posi­tiv emp­fin­den dabei gewe­sen zu sein. Stell es Dir unge­fähr so vor wie einen klas­si­schen “Urlau­ber”. In so einem Rei­se­be­richt erzählt man doch von den sei­nen gemisch­ten Gefüh­len, es gibt Din­ge, die einem gut gefal­len haben und man­che Din­ge haben einem weni­ger gut gefal­len. Sol­che „nor­ma­len Urlau­ber“ blei­ben jedoch sozi­al unsicht­bar. Es sind hin­ge­gen immer wie­der die zwei oder drei “Laut­spre­cher”, die den dis­kri­mi­nie­ren­den Ton ange­ben. 

Tim: In eini­gen Fäl­len wer­den sol­che Aus­stei­ger regel­recht wie Kron­zeu­gen behan­delt, die bewei­sen, dass eine reli­giö­se Min­der­heit tat­säch­lich ein Kult oder eine Sek­te ist. Dabei wird sofort offen­sicht­lich, dass die teil­wei­se extrem nega­ti­ven Berich­te von sol­chen Men­schen wohl kaum eine zuver­läs­si­ge und neu­tra­le Quel­le dar­stel­len kön­nen!

Flo­ri­an: Wir müs­sen letzt­lich davon aus­ge­hen, dass die Grup­pe der selbst ernann­ten „Aus­stei­ger“ als zu vor­ein­ge­nom­men ange­se­hen wer­den muss. Der Ver­dacht liegt ein­fach zu offen­sicht­lich auf der Hand, dass die per­sön­li­che Moti­va­ti­on vor­liegt, sich nicht nur gegen­über Freun­den und Fami­lie über die frü­he­re Zuge­hö­rig­keit zu einer reli­giö­sen Grup­pe Recht­fer­ti­gung zu ver­schaf­fen. Auch gegen­über einer Gesell­schaft, die ja „Kul­te“ oder “Sek­ten” ablehnt, um die­se Trig­ger­be­grif­fe wie­der ins Feld zu füh­ren, muss man ein neu­es Selbst­wert­ge­fühl auf Basis einer erfun­de­nen Geschich­te erfin­den. Und sol­che Geschich­ten wir­ken am bes­ten, in dem man dar­in selbst die Rol­le des Opfers ein­nimmt, das sei­ne neue Beru­fung dar­in sieht, einen auf­klä­re­ri­schen Kreuz­zug in Gang zu set­zen.
Wie man an vie­len Bei­spie­len sehen kann, ist einer der häu­figs­ten Grün­de, war­um selbst­er­nann­te „Aus­stei­ger“ ihre Geschich­ten erzäh­len, dass sie ihren Zuhö­rern irgend­wie erklä­ren müs­sen, wie sie – als intel­li­gen­te und anspruchs­vol­le Men­schen – einer sol­chen „ver­ach­tens­wer­ten“ Grup­pe haben bei­tre­ten kön­nen. Für vie­le selbst ernann­te „Aus­stei­ger“ ist es ange­sichts ihres Zorns auf die Grup­pe unmög­lich sich ein­zu­ge­ste­hen, dass die Grup­pe viel­leicht doch nicht so ver­ab­scheu­ungs­wür­dig war. 

Tim: Wie in einer Ehe, die geschie­den wird. Wenn sie endet, ist es ein­fa­cher, dem ande­ren Part­ner die Schuld zu geben und schreck­li­che Bil­der von ihm oder ihr zu malen. Den Ex-Part­ner, die Grup­pe, als so teuf­lisch, so mons­trös dar­zu­stel­len, dass selbst so intel­li­gen­te und anspruchs­vol­le Men­schen wie der Aus­stei­ger hilf­los „ein­ge­saugt“ und „mani­pu­liert“ wer­den. Nüch­tern betrach­tet ist das alles eher unwahr­schein­lich und – wie in Wahr­heit auch in den meis­ten Ehen – pass­te es ein­fach irgend­wann nicht mehr. Nicht mehr und nicht weni­ger.

Flo­ri­an: Stimmt. Ein Aus­stei­ger hat ja Angst vor der Fra­ge, war­um er sich, wenn die Grup­pe doch so böse sein soll, wie er es jetzt behaup­tet, über­haupt jemals für ihre Sache aus­ge­spro­chen hat. Um dem vor­zu­grei­fen, ver­sucht er, eine schwa­che Opfer­rol­le zu kre­ieren, in der er angeb­lich zu abstru­sen Din­gen ver­führt wur­de. Sol­che Geschich­ten die­nen aller­dings ein­fach nur dazu, die schlimms­ten Vor­ur­tei­le über reli­giö­se Grup­pen zu bestä­ti­gen. Es liegt aller­dings auf der Hand, dass das gan­ze mehr mit einer Kari­ka­tur der Grup­pe zu tun als mit der dort geleb­ten Rea­li­tät. Also noch­mals: Wir kön­nen uns klar machen, so wie auch die FIRM zeigt, dass sol­che Kari­ka­tu­ren mehr von sei­ner gegen­wär­ti­gen Rol­le als selbst­er­nann­ter „Aus­stei­ger“ gezeich­net sind als von sei­nen tat­säch­li­chen Erfah­run­gen in der Grup­pe. 

Tim: Und wie wir wis­sen, füh­ren unse­re sozia­le Medi­en und die damit ein­her­ge­hen­de Geschwin­dig­keit zur rasend schnel­len Ver­brei­tung von Gerüch­ten, Falsch­aus­sa­gen und Halb­wahr­hei­ten. 

Flo­ri­an: Ja, ich den­ke manch­mal über die Zeit Jesu nach. Wie es wäre, wenn Judas zu sei­ner Zeit, nach­dem er mit Jesus gebro­chen hat­te, auch die sozia­len Medi­en hin­ter sich gehabt hät­te? Viel­leicht wäre Jesus Chris­tus nicht nur gekreu­zigt wor­den, son­dern wahr­schein­lich wäre das gan­ze Chris­ten­tum ein­fach vom Erd­bo­den ver­schwun­den. Unse­re heu­ti­ge Kul­tur wäre dann gar nicht denk­bar.

Tim: Oft ist die Sicht der selbst ernann­ten Aus­stei­ger, die ein­zi­ge Sicht der Öffent­lich­keit auf eine neue reli­giö­se Bewe­gung. Und das ist ja natur­ge­mäß eben eine ver­zerr­te, nega­ti­ve und sen­sa­ti­ons­hei­schen­de Sicht – nicht sel­ten gepaart mit mone­tä­ren Absich­ten. Auf der Suche nach einem Weg, sich emo­tio­nal von der Bewe­gung zu lösen und den eige­nen Ruf vor dem eige­nen Umfeld und der Gesell­schaft zurück­zu­ge­win­nen, bedie­nen sie sich auf mani­pu­la­ti­ve Wei­se der sozia­len Medi­en und der nach sen­sa­tio­nel­ler, nega­ti­ver Pres­se stre­ben­den Main­stream Medi­en. 

Flo­ri­an: Ich erin­ne­re mich da an die For­mu­lie­rung „Fil­ter-Bla­se“. Dabei beschwert man sich dar­über, dass man in einem „Kult“ oder einer “Sek­te” angeb­lich in einer ver­meint­li­chen Par­al­lel­welt gelebt habe und bas­telt sich als selbst­er­nann­ter „Aus­stei­ger“ nun sei­ne eige­ne „Aus­stei­ger-Fil­ter-Bla­se“. Dabei beob­ach­tet man das Tritt­brett­fah­rer­phä­no­men. Das heißt, vie­le Men­schen befeu­ern die Dis­kus­si­on durch ihre Kom­men­ta­re und das gan­ze schwingt sich zu einem „Mas­sen-Guru“ auf, die einen in der aller­dings nur begrenz­ten Welt­sicht bestä­ti­gen. In der Regel ver­fü­gen die­se Tritt­brett­fah­rer über kei­ner­lei eige­ne Erfah­run­gen, son­dern befeu­ern den angeb­li­chen Skan­dal dadurch, dass sie mit unre­flek­tier­ten Mei­nungs­äu­ße­run­gen Öl ins Feu­er gie­ßen. Die­se so genähr­te Fil­ter­bla­se jeden­falls wird dann dank­bar von Medi­en auf­ge­grif­fen. 

Tim: Genau. Alles ganz sim­pel. Dabei spielt ein wie­der­keh­ren­des The­ma eine beson­de­re Rol­le, das ins­be­son­de­re für neue reli­giö­se Bewe­gun­gen destruk­tiv ist. Sozio­lo­gen nen­nen das „nega­ti­ve sum­ma­ri­sche Ereig­nis­se“. Das funk­tio­niert unge­fähr so: Wenn eine neue Geschich­te über eine bestimm­te Bewe­gung auf­taucht, dann wie­der­ho­len Medi­en frü­he­re sen­sa­tio­nel­le Berich­te über ande­re Bewe­gun­gen. Auf die­se Wei­se wird der dra­ma­ti­sche Stel­len­wert der iso­lier­ten und indi­vi­du­el­len Geschich­te eines jeden „Aus­stei­gers“ in sei­ner Bedeu­tung ver­stärkt, weil es in ein „Kult“-Nar­ra­tiv ein­ge­reiht wird. Dies geschieht natür­lich zum Nach­teil einer objek­ti­ven und ethisch neu­tra­len Unter­su­chung der neu­en reli­giö­sen Phä­no­me­ne. 

Flo­ri­an: Die­ses Phä­no­men kann auch sol­che Aus­wir­kun­gen haben: Irgend­wann in der Geschich­te einer neu­en reli­giö­sen Bewe­gung bringt ein selbst ernann­ter „Aus­stei­ger“ einen Vor­wurf gegen sei­ne frü­he­re Reli­gi­on ein, und die Medi­en neh­men das Ereig­nis wegen sei­nes sen­sa­tio­nel­len Werts auf. Von da an hän­gen die Medi­en bei jeder Erwäh­nung der Grup­pe in den Nach­rich­ten einen Ver­weis auf frü­he­re nega­ti­ve Ereig­nis­se an. Selbst dann, wenn der aktu­el­le Grund für die Erwäh­nung völ­lig unab­hän­gig von frü­he­ren nega­ti­ven Ereig­nis­sen ist. Wenn zum Bei­spiel jemand in der Grup­pe eine Aus­zeich­nung gewon­nen hat, wird das nega­ti­ve Ereig­nis aus frü­he­ren Jahr­zehn­ten wie­der ange­hängt.

Tim: Übri­gens auch in den Fäl­len, in denen das einst­mals „nega­ti­ve“ Ereig­nis auf­grund von Unter­su­chun­gen voll­stän­dig zu Guns­ten der Grup­pe ent­schie­den wur­de: Die Kla­ge erwies sich bei­spiels­wei­se als unbe­grün­det und der „Aus­stei­ger“ ver­lor den Fall. Die Par­tei­en haben sich danach außer­ge­richt­lich geei­nigt und der Aus­stei­ger gab viel­leicht sogar schrift­lich zu, dass das meis­te nicht ganz der Wahr­heit ent­sprach. 

Flo­ri­an: Wie wir in den letz­ten Wochen schmerz­lich erfah­ren konn­ten, machen sich an die­ser Stel­le Medi­en­ver­tre­ter durch die mani­pu­la­ti­ve Wir­kung des „Kult-Mythos“ an der Unter­drü­ckung und Dis­kri­mi­nie­rung mit­schul­dig. Soll­te ein Jour­na­list sich nicht statt­des­sen jeder­zeit bemü­hen, Ver­zer­run­gen, Unter­drü­ckung von Nach­rich­ten und Zen­sur auf­zu­de­cken? Ein Jour­na­list muss Sor­ge dafür tra­gen, dass die von ihm ver­brei­te­ten Infor­ma­tio­nen fair und prä­zi­se sind und dass blo­ße Kom­men­ta­re und ein­fa­che Ver­mu­tun­gen nicht als fest­ste­hen­de und objek­ti­ve Tat­sa­chen dar­ge­stellt wer­den dür­fen. Ein Jour­na­list soll­te kein Mate­ri­al ver­öf­fent­li­chen, das Dis­kri­mi­nie­rung, Spott, Vor­ur­tei­le oder Hass her­vor­ruft. Es ist klar, dass die Moti­va­ti­on von Jour­na­lis­ten unter ande­rem auch dar­in besteht, einen ansons­ten eher bana­len Bericht mit der gän­gi­gen Art von Sen­sa­ti­on zu „wür­zen“, die nun mal Zeit­schrif­ten ver­kauft und die Quo­te erhöht. Gera­de wenn Medi­en über etwas Neu­tra­les oder Posi­ti­ves der Grup­pe berich­ten, füh­len sich selbst­er­nann­te „Aus­stei­ger“ dazu beru­fen, sich ein­zu­mi­schen mit: „Übri­gens, ver­ges­sen Sie nicht zu erwäh­nen…”

Tim: Ok. Dann lass uns noch­mal kurz auf die Main­stream-Reli­gi­on schau­en. Der Autor Ste­phen Car­ter sag­te ein­mal selbst­kri­tisch: „Wir füh­len uns oft am wohls­ten mit Men­schen, deren Reli­gi­on nur aus ein paar Got­tes­dienst­be­su­chen und Medi­ta­ti­ons­aben­den besteht, die aber gleich­zei­tig zu säku­la­ri­siert sind, um ihr gesam­tes Leben von ihrem Glau­ben durch­drin­gen zu las­sen. Die­se Hal­tung übt Druck aus, Reli­gi­on als Hob­by zu behan­deln.“ 

Flo­ri­an: Ja, aus einer sol­chen Sicht, die Reli­gi­on eher als ein unter­halt­sa­mes Hob­by sonn­tags zwi­schen 10 und 11 Uhr betreibt, wir­ken die enthu­si­as­ti­schen jun­gen Reli­gio­nen natür­lich beängs­ti­gend. Das stimmt. 

Tim: Des­we­gen wur­den reli­giö­se Tra­di­tio­nen im Lau­fe der Jahr­hun­der­te umso stär­ker von der Gesell­schaft unter­drückt, des­to mehr sie ihren Mit­glie­dern tat­säch­li­che spi­ri­tu­el­le Erfah­run­gen, mys­ti­sches Ein­tau­chen oder Gno­sis ver­mit­tel­ten, anstatt nur Glau­ben, Ritua­le und Schrif­ten. Der Grund ist nicht schwer zu erken­nen. Der Umgang mit einer glau­bens­ba­sier­ten Tra­di­ti­on ist oft eher bei­läu­fig. Zum Bei­spiel wenn Men­schen hei­ra­ten. Dann ver­zich­tet der eine auf „sei­ne Reli­gi­on“, um Rück­sicht auf den Ehe­part­ner zu neh­men. Reli­gi­on bedeu­tet dann ein­fach nicht so viel. Aber eine Reli­gi­on, die eine tat­säch­li­che spi­ri­tu­el­le Erfah­rung bie­tet, ver­än­dert den Rea­li­täts­sinn und die Sicht auf ein­fach alles. Und die meis­ten Staa­ten in der Geschich­te haben sol­che Reli­gio­nen als Bedro­hung ange­se­hen, weil Men­schen mit einem radi­kal ande­ren Rea­li­täts­sinn viel schwe­rer zu kon­trol­lie­ren sind. So setz­te sich die auf Glau­ben basie­ren­de ortho­do­xe Sek­te des frü­hen Chris­ten­tums gegen die erkennt­nis- und erfah­rungs­ba­sier­te mys­tisch-gnos­ti­sche Tra­di­ti­on durch, weil das Römi­sche Reich die­se als weni­ger bedroh­lich emp­fand. Das mys­tisch-gnos­ti­sche Chris­ten­tum wur­de in den Unter­grund gezwun­gen und nur ab und zu tauch­te wie­der ein gro­ßer christ­li­cher Mys­ti­ker auf. 

Flo­ri­an: Und die­se Mys­ti­ker tau­chen auch heu­te noch auf. Sie zie­hen die­je­ni­gen Men­schen an, die sich von den Main­stream-Reli­gio­nen abge­sto­ßen füh­len. Vie­le Men­schen glau­ben inzwi­schen, dass die tra­di­tio­nel­len Reli­gio­nen heut­zu­ta­ge größ­ten­teils „geis­tig bank­rott“ sind. Und gleich­zei­tig wird der „Kult-” oder “Sek­ten-Stem­pel“ scham- und rück­sichts­los auf neue mys­ti­sche Bewe­gun­gen auf­ge­drückt. Aber machen wir uns eines klar, näm­lich dass die neu­en reli­giö­sen Bewe­gun­gen die­je­ni­gen Orte sind, wo ech­te spi­ri­tu­el­le Meis­ter wir­ken, die immer schon die wirk­sams­te Quel­le spi­ri­tu­el­ler Offen­ba­run­gen gewe­sen sind. 

Tim: Wir erle­ben hier also teil­wei­se eine Wie­der­ho­lung der Geschich­te. Lass uns zuletzt mal schau­en, wie wir die Wahr­heit her­aus­fin­den kön­nen, ok? Die Wahr­heit über eine bestimm­te reli­giö­se oder spi­ri­tu­el­le Bewe­gung her­aus­zu­fin­den, ist eine kom­ple­xe Ange­le­gen­heit. Aber lass uns ein paar Anhalts­punk­te nen­nen, die für Men­schen hilf­reich sein kön­nen, die sich eine eige­ne Mei­nung bil­den möch­ten:

1. Sei Dir bewusst, dass Mas­sen­me­di­en und selbst ernann­te „Aus­stei­ger“ eine eher schlech­te Quel­le für objek­ti­ve Infor­ma­tio­nen dar­stel­len. Wir haben das oben aus­führ­lich begrün­det.

2. In jeder Gesell­schaft gibt es kol­lek­ti­ve und kul­tu­rel­le Vor­ur­tei­le, sowie blin­de Fle­cken, die Du unbe­wusst über­nimmst. Sol­che Vor­ur­tei­le ver­zer­ren unse­re eige­ne Sicht­wei­se, ohne dass wir bewusst mit­be­kom­men müs­sen, war­um wir die­se oder jene Sicht auf die Din­ge haben. Daher glau­ben wir fel­sen­fest dar­an, dass die­ses oder jenes „nor­mal“ sei und alles ande­re dem­zu­fol­ge als „unnor­mal“ anse­hen.

Es gibt heu­te eine soge­nann­te „Do-it-yourself-Spi­ri­tua­li­tät“, in der zum Bei­spiel der „spi­ri­tu­el­le Anti­au­to­ri­ta­ris­mus“ eine gewich­ti­ge Rol­le spielt. Dabei han­delt es sich um die Ableh­nung von geis­ti­ger Hier­ar­chie, die in unse­rer west­li­chen Kul­tur ihren Ursprung in der pro­tes­tan­ti­schen Refor­ma­ti­on hat. Sie ver­lei­tet uns unbe­wusst dazu, Spi­ri­tua­li­tät „selbst zu tun“ und sich von jeg­li­chen Bewe­gun­gen zu ent­fer­nen, an denen spi­ri­tu­el­le Meis­ter und Lea­der betei­ligt sind. Die Abnei­gung gegen spi­ri­tu­el­le Auto­ri­tä­ten ist kein Wert und kei­ne Wahr­heit an sich, son­dern eine kul­tu­rell antrai­nier­te Ver­hal­tens­wei­se. Teil­wei­se aus guten und bewuss­ten, aber teil­wei­se auch aus schlech­ten und unbe­wuss­ten Moti­ven. Hin­ter­fra­ge sie bit­te. 

3. Machen wir uns klar, wer wirk­lich etwas Objek­ti­ves und Über­prüf­ba­res sagen kann. Noch­mals, es ist wie in einer Ehe: Die­je­ni­gen, die am bes­ten über die Tugen­den der Ehe spre­chen kön­nen, sind weder die stän­di­gen Jung­ge­sel­len, noch die­je­ni­gen, die von Bezie­hung zu Bezie­hung sprin­gen aber sich nie­mals wirk­lich tie­fer ein­las­sen. Etwas fun­diert Tie­fes erfährst Du viel­mehr von jenen ver­hei­ra­te­ten Paa­ren, die ihr gan­zes Leben lang „Kurs hal­ten“. Sie kön­nen am glaub­wür­digs­ten über den Nut­zen der Ehe spre­chen. Genau­so ist es bei Prak­ti­zie­ren­den in reli­giö­sen Gemein­schaf­ten. Aus­stei­ger, die ein paar Mona­te oder selbst Jah­re nur unre­gel­mä­ßig dabei waren, kön­nen nicht authen­tisch über die Tie­fe einer Bewe­gung berich­ten.

4. Am bes­ten machst Du Dir selbst einen authen­ti­schen Ein­druck. Aber bit­te mache das nur als erwach­se­ner Mensch, der bereit ist, selbst die Ver­ant­wor­tung für die­sen Schritt zu über­neh­men. Ob das so ist, erkennst Du dar­an, ob du Dei­nen eige­nen und frei­en Wil­len ein­setzt. Beden­ke bit­te zudem, dass die Bezie­hung zwi­schen dem spi­ri­tu­el­len Leh­rer und dem Aspi­ran­ten auf bei­den Sei­ten gleich auf­op­fe­rungs­voll ist. Daher soll­test Du in der Lage sein, mit dei­nen inne­ren Antei­len wie inne­ren Kin­dern, Kri­ti­kern und Rebel­len ange­mes­sen umzu­ge­hen.

5. Eine neue reli­giö­se Bewe­gung zu erschaf­fen, ist eine immens her­aus­for­dern­de Ange­le­gen­heit, denn Men­schen ten­die­ren zunächst dazu, auf etwas Neu­es ent­we­der zu ver­ängs­tigt oder zu hoch­mü­tig zu reagie­ren, wes­halb man es unab­läs­sig mit archai­schen und selbst­zer­stö­re­ri­schen Denk- und Ver­hal­tens­mus­tern zu tun hat. Solch ein Pro­zess, etwas Neu­es zu schaf­fen, wird also durch kin­di­sche und unrei­fe Moti­ve gestört.

6. Für all das sind jedoch nicht die neu­en reli­giö­sen Gemein­schaf­ten ver­ant­wort­lich. Viel­mehr bre­chen in ihnen ein­fach nur unter Labor­be­din­gun­gen die Phä­no­me­ne sicht­bar auf, die in der Gesell­schaft vor sich hin köcheln und das Leben lei­se ver­gif­ten. Kein Wun­der also, dass natür­lich auch in Gemein­schaf­ten der expe­ri­men­tel­len spi­ri­tu­el­len Kul­tur alle Zei­chen sicht­bar wer­den, die auch sonst in der „nor­ma­len Welt“ auf­tre­ten und dort mal offe­ner und mal ver­bor­ge­ner erschei­nen.

7. Kei­ne der neu­en reli­giö­sen Bewe­gun­gen kann neu­tral ange­schaut wer­den. Viel­mehr befin­den sie sich noch in der ers­ten Pha­se, in der sie gesell­schaft­lich dis­kri­mi­niert oder hys­te­risch skan­da­li­siert wer­den. Die Dar­stel­lung ist unge­fähr so, als wür­de man die schreck­li­chen Begleit­erschei­nun­gen eines Dro­gen­ent­zugs der Ent­zugs­kli­nik in die Schu­he schie­ben und im Fern­se­hen rei­ße­risch dar­über berich­ten. Die­se Ten­denz ist in den Medi­en, sei es Fern­se­hen, Zei­tun­gen und sozia­len Medi­en, leicht zu beob­ach­ten. Es ist also nicht an sich mög­lich, Dich „offi­zi­ell“ über Reli­gi­on und die Bedeu­tung reli­giö­ser Insti­tu­tio­nen und spi­ri­tu­el­le Leh­rer zu infor­mie­ren. Betrach­te und erle­be die­se gan­ze Ange­le­gen­heit lie­ber selbst. Direkt mit Dei­nen Sin­nen und Dei­nem Her­zen.

8. Lass Dich von der bereits alten Erkennt­nis aufs Neue über­ra­schen, dass eine wesent­li­che Moti­va­ti­on der Medi­en dar­in besteht, sich durch fas­zi­nie­ren­de und alar­mie­ren­de Bot­schaf­ten zu ver­brei­ten und damit zu unter­hal­ten. Das erklärt ihre Exis­tenz­grund­la­ge und auch ihre Macht der Ein­fluss­nah­me. Und wir selbst tra­gen unse­ren Teil dazu bei, wenn wir uns kin­disch unter­hal­ten und sogar for­dern, auf die­se Wei­se unter­hal­ten zu wer­den.

Der Kult eines Men­schen ist die Reli­gi­on eines ande­ren. Alle Reli­gio­nen begin­nen das Leben als Kul­te. Eine alter­na­ti­ve Defi­ni­ti­on ist, dass ein Kult eine Reli­gi­on ist, die Sie nicht mögen. Nun: “Kult” ist ein Wort aus vier Buch­sta­ben.“ Antho­ny Camp­bell

A cen­tral issue that [Bar­rett] con­fronts at the out­set is the defi­ni­ti­on of a cult. As he right­ly points out, one person’s cult is another’s reli­gi­on; all reli­gi­ons begin life as cults. An alter­na­ti­ve defi­ni­ti­on is that a cult is a reli­gi­on which you hap­pen to dis­li­ke.… “cult” is a four-let­ter word.” Antho­ny Camp­bell

Natür­lich wird es uns Sac­red Humans immer das Wich­tigs­te sein, zusam­men mit Sebas­ti­an in dem Geheim­nis zu leben, das wir Gott nen­nen, und grund­los glück­lich zu sein. Und gleich­zei­tig wer­den wir die Dis­kri­mi­nie­rung reli­giö­ser Gemein­schaf­ten als The­ma in der Öffent­lich­keit bewe­gen, auch um ande­re Gemein­schaf­ten und Gläu­bi­ge zu ermu­ti­gen. Also, stay tun­ed.