In unserer Sangha üben und praktizieren wir das, worüber Du im letzten Artikel lesen konntest, in unserem täglichen Miteinander durch transparente Kommunikation, und wir schaffen uns auch immer wieder gezielt Räume, in denen wir uns genau für diese Arbeit verabreden. Auch unter uns Frauen tun wir das, ob direkt vor Ort oder durch Vernetzung über das Internet. Wir wenden dabei neben der transparenten Kommunikation Methoden wie den 3-2-1-Prozess, die Radikale Erlaubnis nach Mike Hellwig und Voice Dialogue an. Auch die Arbeit an und mit dem Körper hat bei der Lösung traumatischer Energien und energetischer Muster eine entscheidende Bedeutung, da er das Speichermedium für alle unverarbeiteten und unterdrückten Energien ist. Diese Lösung unterstützen wir durch Sport, Physiotherapie, Massagen oder körperorientierte Trauma- und Prozessarbeit.

Wir haben mit der Zeit gelernt, dass all dies nur seine Wirkung zeigen kann, wenn wir bei der Arbeit mit dem Trauma niemals Nirvana und den Sinn des Ganzen – Evolution als Gottes Prozess der Selbsterkenntnis und ewig fortdauernden Selbstaktualisierung – aus den Augen verlieren. So wie ein Mehrkomponentenkleber nur in der Kombination all seiner Komponenten funktioniert, werden wir nur zum ganzen Menschen und zur ganzen Frau, wenn wir all diesen Realitäten in uns Raum geben bzw. uns ihnen allen gleichermaßen hingeben. Wir praktizieren daher jeden Tag ebenso Bhakti Yoga in Form von Pujas, Gebeten und Mantrensingen. Sie sind eine Erinnerung daran, dass schon immer alles gut und vollkommen ist. Unser Guru ist als lebendige Verkörperung dieses unzerstörbaren Friedens und der in sich selbst ruhenden Glückseligkeit unsere kraftvollste und kostbarste Erinnerung daran. Im Satsang ist es spielend leicht, sich darin zu verlieren und sich selbst als DAS wiederzufinden. Im Grunde ist das ganze Leben mit Sebastian im Ashram ein ununterbrochener Satsang. Der Friede und die Stille, die er ist, sind ein ständiger subtiler Segen, der den Ashram und die mit ihm seienden Menschen mit seiner Liebe und Güte durchwebt und vereint.

Außerdem beginnen auch speziell wir Frauen aus der Sangha zu erkennen, wie wichtig es ist, sich als Gruppe konkrete Ziele zu setzen und gemeinsame Projekte zu verwirklichen, die über unser eigenes Wohl hinaus gehen. So realisieren wir bewusst den Entwicklungsaspekt, der unserer Arbeit ihren Sinn verleiht: Wir tun das alles nicht nur für uns selbst. Dass es uns selbst als Einzelperson dadurch besser geht, ist wundervoll und genau so gewollt, aber es ist noch nicht der höchste und vollständige Sinn, der immer auch das Wohl anderer mit einbezieht – anderer, die womöglich auf genau unsere Hilfe angewiesen sind. Es ist ein schönes Gefühl, wie nun die ersten konkreten Projekte in unserem Frauenkreis beginnen, Realität zu werden. So ist gerade bei uns ein Elder Women Kreis entstanden, der sich alle zwei Wochen trifft, und im großen Frauenkreis beginnen wir, an einem Manifest der erwachten Frau zu arbeiten, das auch über uns Frauen aus der Sangha hinaus Gültigkeit haben soll. Die Energie, die vorher in Widerstand gegeneinander und Reibereien untereinander geflossen ist, setzen wir nun gemeinsam und in Harmonie für etwas über unsere Grenzen hinaus Segensreiches ein, und das tiefe Gefühl der Freude und Erfüllung, das mich dabei durchströmt, ist für mich ein unmissverständliches Zeichen für die Gutheit und Richtigkeit unseres Tuns. Wenn Du willst, kannst Du unseren Prozess dabei live mitverfolgen, indem Du uns in einem unserer Ashrams besuchst oder in diesem Blog hier nach neuen Artikeln schaust. Und wenn Du außerordentlich mutig, willens, sehnsüchtig und bereit bist, kannst Du auch selbst Teil davon werden.

Unser Mut als Frauen besteht auch darin, dass wir uns wieder trauen, unsere brennende, unvernünftige Sehnsucht danach zu fühlen, von diesem objektlosen Mysterium durchdrungen und erfüllt und noch tiefer geöffnet zu werden, und diese in den Mittelpunkt unseres Lebens zu stellen. Wir geben die vernünftige Zurückhaltung unserer Irrationalität und die rationale Kühle auf, die uns auch gerade für die Männer zu berechenbaren Wesen macht und uns die soziale Anerkennung verschafft hat, nach der wir uns so lange gesehnt haben. Wir wollen erfüllt und durchdrungen werden, und wir sehnen uns auch nach Männern, die das mit uns tun! Wir trauen uns wieder, diesen brennenden Ruf in unserem Herzen nach Männern zu fühlen, die bereit und in der Lage sind, uns so sehr für Gott zu öffnen, dass wir von ihm überwältigt werden, wissend, dass wir keinen Mann dafür brauchen, um ganz zu sein. Wir sind keine Prinzessinnen mehr, die gerettet werden wollen, und wir haben uns selbst als vollständig in der Lage dazu erkannt, uns selbst zu retten. Und doch sehnen wir uns schmerzlich nach jenen Männern, die unsere Früchte haben wollen und in der Lage sind, uns in unserer Unbändigkeit und Irrationalität zu halten und bedingungslos zu nehmen. Wir wollen uns geben und verschenken und verströmen und wir wollen dabei das Gefühl haben, nicht selbst kontrollieren zu müssen – denn wenn wir selbst aufpassen müssen, was wir tun, können wir uns nicht vollständig hingeben und selbst vergessen. Wir Frauen können lernen, uns untereinander diesen Raum zu geben, uns voreinander zu öffnen und voneinander öffnen zu lassen. Aber so wie ihr Männer unwiderstehlich von uns angezogen seid und ihr Euch danach sehnt, mit uns zu verschmelzen, so sehnen wir uns auch nach Euch: Wir wollen Euch spüren und von Euch genommen werden. Ganz. Göttlich. Männlich. Tief. Weil es so, so unendlich himmlisch schön und köstlich ist. Weil das Gott ist, der mit der Göttin tanzt und sie sich im Tanz als das Eine erkennen. Wir wollen das. Sehr. Und wir haben gelernt, unsere Sehnsucht nicht mit der Sehnsucht nach einem Mann zu verwechseln bzw. sie bloß auf diesen Ausdruck zu begrenzen. Wir haben gelernt, dass unsere tiefste Sehnsucht wesentlich größer ist. Sie ist grenzenlos. Und das lassen wir zu, jeden Tag mehr und tiefer ohne Ende.

Letzten Endes ist unsere stärkste Methode, dass wir in Wahrheit keine haben außer diese unbändige Sehnsucht nach etwas, das kein Objekt ist. Was unsere Kraft in ihrer Essenz ausmacht, ist unsere felsenfeste und unerschütterliche Ausrichtung auf etwas, das keine Methode ist und alle Konzepte in sich verschwinden lässt. Es ist das feste und unerschütterliche Ruhen im Glauben an etwas Unergründliches, was sich für immer unserer Betrachtung entzieht. Unsere unbedingte Bereitschaft, unsere Zelte über diesem Abgrund des unnennbaren Ungewissen aufzuschlagen und unser ganzes Leben von diesem unergründlichen Mysterium leiten zu lassen, ist es, die unser Wirken auf erstaunliche, geheimnisvolle und intelligente Weise zum Erfolg führt.